Vergessener Völker Müdigkeiten – Friedhöfe in den Kronländern der ehemaligen k.u.k. Monarchie

Eine Fotoausstellung mit Fotos von Christoph Lingg und Texten von Susanne Schaber

Zwischen Lemberg und Prag, Czernowitz und Triest breiten sich Gräberlandschaften aus, die ihresgleichen suchen: prächtige Parks mit Skulpturen, Grüften und Grabhäusern, verwachsene Waldstücke mit jüdischen Grabsteinen, die immer tiefer im Boden versinken. Christoph Lingg und Susanne Schaber haben die Friedhöfe im östlichen und südöstlichen Mitteleuropa besucht und eine Ausstellung gestaltet.

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Auf dem Lytschakov-Friedhof in Lemberg (heute Lwiw), Ukraine

Manche sind so klein, daß nur ein Dutzend Tote Platz findet, andere so riesig, daß man sich in ihnen verläuft. Manche sind verfallen und unter einem Dickicht von Efeu und Waldreben verborgen, andere eitel herausgeputzt. Und wieder andere sind überhaupt nicht mehr zu finden – aufgelassen, zerstört und verschwunden.

Friedhöfe im östlichen und südöstlichen Mitteleuropa: Kaum ein Reiseführer, der sie auflistet, kaum eine Stadt, die mit ihren Nekropolen wirbt. Die Sprachen umspannen Gegenden, die eine Vielfalt von Völkern und Religionen beherbergen: Siebenbürgen, Kroatien, Slowenien, die Slowakei, Tschechien, Bosnien-Herzegowina, Polen, Ungarn, der Nordosten Italiens, die Ukraine. Ein riesiges Gebiet, heute aufgeteilt auf zehn verschiedene Staaten. Sie alle verbindet, daß sie sich einst unter der habsburgischen Kaiserkrone zusammengefunden haben. Der Begriff „Kronländer“ umfängt diese Landstriche trotz mancher historischer Unschärfen vielleicht noch am besten.

„Eine Welt ohne Jahre“, wie es bei Elias Canetti heißt. Die Friedhöfe zwischen Prag und Krakau, Hermannstadt und Mostar fallen aus der Zeit. Ihr Uhrwerk läuft anders. Langsamer? Unerbittlich allemal.

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Neuer Jüdischer Friedhof in Krakau/Kazimierz, Polen