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Kunstwerk des Monats September 2017

Madonna mit Kind
Guido Anton Muss (1941–2003), 1998
Bronze; H. 49 cm, B. 22 cm; T. 18 cm
Bezeichnet am Sockel: G. Muss 1998

Aus der Art der Darstellung ist sofort und unmissverständlich zu erkennen, dass es sich um eine Madonna mit dem Jesuskind handelt. Auf einem Thron mit hoher Rückenlehne sitzt Maria in frontaler Haltung und hält vor sich mit beiden Händen das auf ihrem rechten Oberschenkel stehende Jesuskind. Beide Körper sind jeweils auf das Blockhafte reduziert, und nur die Köpfe der beiden und die Hände von Maria sind trotz weitgehender Abstraktion markant hervorgehoben. Diese sind nämlich mit einer Goldbronzefassung versehen und zudem sehr aussagekräftig geformt, indem beide Köpfe nach oben schauen und die großen Hände Mariens das Jesuskind sicher und fest halten. Maria und das Jesuskind schauen jeweils in die Gegenrichtung. Dadurch erzeugte der Künstler nicht bloß eine formale Spannung, sondern formulierte auch eine inhaltliche Aussage. Man könnte an die Antwort des Zwölfjährigen im Tempel erinnert werden: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ (Lk 2,49) Oft sind die Darstellungen von Maria mit ihrem göttlichen Sohn und einer beliebigen Mutter mit ihrem Kind fast austauschbar. In der Art, wie Maria das Jesuskind hält und präsentiert, und in der der Haltung des Kindes kündigt sich in dieser Figur von Guido Anton Muss bereits der Heilsauftrag des Kindes an.

Guido Anton Muss wurde 1941 in Brixen geboren und starb 2003 in Bozen. Seine meist farbig gehaltenen Figuren, die eine Fortsetzung der Bildhauertradition des Grödentals sind, stellen fast ausnahmslos Frauen dar. Eine starke Vereinfachung lässt an den Gestalten nur die wesentlichen Formen und Züge hervortreten. Ein charakteristisches Merkmal der Figuren von Guido Anton Muss sind die kleinen stilisierten Köpfe. In der Skulptur der Madonna mit Kind, die ein Auftragswerk von Pater Dr. Willibald Hopfgartner in Bozen ist, erreichte der Künstler in seiner ihm eigenen stilistischen Konsequenz eine formale Monumentalität und eine inhaltliche Aussagekraft, wie wir sie von den romanischen Madonnen mit dem Jesuskind kennen. So ist diese Skulptur, eine Schenkung der Geschwister Hopfgartner, eine ebenso interessante wie auch würdige zeitgenössische Ergänzung des mit Skulpturen dieses Themas reich ausgestatteten Diözesanmuseums.

Die Madonna war im Besitz von Dr. Herbert und Maria Reiter geb. Hopfgartner aus Lienz. Nach ihrem Tod stimmten die Geschwister Hopfgartner der Anregung ihres Bruders P. Willibald Hopfgartner OFM zu, die Figur im Gedenken an die beiden Verstorbenen dem Diözesanmusem in der Hofburg zu stiften.

(Text: Johann Kronbichler)

Präsentation
Das Kunstwerk des Monats wird am 5. September um 16 Uhr vorgestellt und ist daran anschließend bis zum 30. September zu sehen.
Freier Eintritt zur Vorstellung der Marienfigur.