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Kunstwerk des Monats Oktober

Mystische Vermählung der hl. Katharina von Alexandria
Balthasar Renn (1685–1735), um 1720
Öl auf Leinwand, 153,5 x 122 cm

Das Gemälde zeigt die Heilige Familie: Maria, die den Jesusknaben stehend auf ihrem Schoß hält, und Josef rechts dahinter. Die weibliche Figur am linken Bildrand ist durch das ihr beigegebene Rad mit Eisenzacken und das Schwert als die heilige Katharina von Alexandrien ausgewiesen. In der rechten vorderen Ecke ist der Johannesknabe zu sehen. In der linken oberen Ecke sind Gottvater und die Taube des Heiligen Geistes dargestellt. Das Hauptaugenmerk ist dem Thema des Bildes entsprechend auf das Anstecken des Verlobungsringes durch das Jesuskind gerichtet. Katharina, eine in allen Wissenschaften und Künsten hochgebildete Frau, soll überaus schön und anziehend gewesen sein, zugleich aber unsagbar stolz. Deshalb wies sie alle Freier ab, weil ihr keiner gut genug für sie schien. Ein Einsiedler wies sie auf Jesus Christus als den wahren Bräutigam hin. Nach ihrer Bekehrung zum Christentum steckte ihr Christus einen geheimnisvollen Ring an den Finger. Mit dieser mystischen Verlobung bzw. Vermählung mit Christus wird Katharina in der Kunst sehr häufig dargestellt.

Das Gemälde ist eine weitgehend getreue Kopie des um 1710 von Johann Michael Rottmayr in der Kammerkapelle der Residenz zu Salzburg geschaffenen Altarbildes der Verlobung der hl. Katharina. Die Kopie folgt mit geringen Abweichungen in kompositionellen Details zwar dem Gemälde Rottmayrs, zeigt aber in der malerischen Ausführung unverkennbar den Stil von Balthasar Renn, wie er zum Vergleich in den zahlreich vorhandenen Gemälden in Stift Wilten festgestellt werden kann. Eine alte Zuschreibung in den Aufzeichnungen des Museums an Giuseppe Alberti ist stilkritisch nicht haltbar.

Balthasar Renn wurde 1685 in Innsbruck geboren, erfuhr vermutlich dort in der Werkstätte des Johann Josef Waldmann seine erste Ausbildung und dürfte sich anschließend nach Süddeutschland begeben haben. Von 1709 bis 1713 bekleidete er die Stelle eines Hofmalers von St. Blasien im Schwarzwald, wo er hauptsächlich als Freskomaler tätig war. Nach 1713 kehrte Renn nach Innsbruck zurück, wo er jedoch ausschließlich als Ölbildmaler für das Stift Wilten beschäftigt war. Dort verstarb er auch im Jahre 1735. Charakteristisch an seinen Gemälden sind das durchwegs kräftige Helldunkel in einem verhaltenen und zugleich kontrastreichen Kolorit sowie die auffallenden Kopfstellungen.

(Text: Johann Kronbichler)

Präsentation
Das Kunstwerk des Monats wird am 3. Oktober 2017 um 16 Uhr vorgestellt und ist daran anschließend bis zum 31. Oktober zu sehen. Freier Eintritt zur Vorstellung des barocken Gemäldes.