Kunstwerk des Monats Oktober 2016

Heiltumsschranktür aus dem Brixner Dom
Jeremias Rumpfer oder David Solbach, um 1635–1640
Öl auf Holz, 220 x 110 cm, Eisenrahmung, zwei Schlüssellöcher

Die ehemals im Alten Dom in der Unteren Sakristei eingesetzte Tür zum Heiltumsschrank befindet sich heute im Diözesanmuseum. Das beidseitig bemalte Türblatt zeigt an der Schauseite in der unteren Bildhälfte die geistlichen und weltlichen Stände der Menschheit sowie eine große Schar von Heiligen. In der klar abgesetzten oberen Bildhälfte ist die Krönung Mariens mit einer großen Engelsglorie dargestellt. In der vom Vordergrund bis in den Hintergrund dicht gedrängten Menschenmasse sind die in den Vordergrund gesetzten Gestalten sehr genau und detailreich wiedergegeben und durch die teilweise beigegebenen Attribute auch identifizierbar, während die zum Hintergrund hin eine weitgehend anonyme Masse bilden. In den vorderen Reihen sind es auf der linken Seite geistliche und auf der rechten Seite weltliche Würdenträger mit Päpsten und Bischöfen sowie Kaiser und Königen an ihrer Spitze. Diese getrennte Anordnung von geistlichen und weltlichen Persönlichkeiten steht noch ganz in der Tradition des gegenreformatorischen Stifterbildes.

Die Innenseite der Tür, die sich wie eine Außenseite präsentiert, zeigt vier Engel, von denen zwei einen Vorhang mit dem Verweis auf die Reliquien des Bistumspatrons Ingenuin halten („SACRUM CORPUS SANCTI INGENUINI EPISCOPI BRIXINENSIS ET CONFESSORIS“) und zwei weitere, am unteren Ende des Vorhangs, den Betrachter auf die Inschrift hinweisen. Die Darstellung wird von einem breiten Rahmen eingefasst, der mit geschnitztem und vergoldetem Beschlag rundum verziert ist.

Die künstlerisch bedeutenden Gemälde weisen zwar keine Signatur auf, lassen sich aber aufgrund des Stilcharakters in die Zeit um 1635–1640 datieren. Es dürfte sich wohl um einen lokalen Maler handeln, wobei Jeremias Rumpfer in Betracht kommt oder der von Leo Andergassen vorgeschlagene, aus dem Rheinland zugewanderte Maler David Solbach. Als ein Hinweis auf den Auftraggeber könnte der in der oberen Randbordüre des Vorhanges vorhandene Ringdekor zu deuten sein. Es sind dies die drei verschlungenen Ringe im Wappen von Fürstbischof Platzgummer (1641–1647), der vor seiner Zeit als Fürstbischof das Amt des Domdekans bekleidete.

(Text: Johann Kronbichler)

Präsentation
Das Kunstwerk des Monats wird am 4. Oktober 2016 um 16 Uhr vorgestellt und ist daran anschließend bis zum 30. Oktober 2016 in der barocken Gemäldegalerie (2. Stock, Nordtrakt) ausgestellt. Der Eintritt zur Präsentation ist frei.