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Kunstwerk des Monats Mai 2013

Renaissance-Tondo mit Madonna, Jesuskind und Johannesknaben
Tempera auf Holz, Ø 86 cm, Privatbesitz

Das Gemälde zeigt Maria, die mit der Linken das auf ihrem Schoß sitzende Jesuskind hält und die Rechte um die Schulter des seitlich vor ihr knienden Johannesknaben legt. Durch den weit ausgebreiteten Mantel Mariens ist nicht ersichtlich, worauf sie sitzt, und auch der Ort ihres Aufenthaltes bleibt ungeklärt. Die Pflanzen und Blüten im Vordergrund vermitteln den Eindruck, dass sich die Gruppe in der freien Natur aufhält, während die Wand mit dem Ausschnitt einer tiefen Fensterlaibung auf der linken Seite an einen Innenraum denken lässt. Die offene Bogenarchitektur im Hintergrund spricht wiederum für eine offene Palastloggia, von der man auf einen Fluss blickt, über den sich eine mächtige Pfeilerbrücke spannt und hinter dem mit einigen Türmen noch eine Stadt angedeutet ist. Während Maria das Jesuskind mit sicherem Griff an der Hüfte hält, wendet sich das Kind mit zum Segen erhobener Linken zu dem seitlich knienden Johannesknaben, der in demutsvoller Haltung den Segen entgegennimmt. Und liebevoll ruht unter den gesenkten Lidern der Blick Mariens auf beiden Knaben. Am rechten Bildrand ist noch eine Figur, die auf den zum Fluss hinunterführenden Stufen sitzt, dargestellt. Ob damit der hl. Josef gemeint sein könnte, mag dahingestellt bleiben.

Der Typus des Gemäldes entspricht ganz den für die Hausandacht geschaffenen Madonnen- oder Heiligenbildern der florentinischen Renaissance vor und um 1500. Die auf der Rückseite der Tafel zweifach angebrachte Inschrift „di David Ghirlandajo“ ist nicht als Signatur des Künstlers zu nehmen, gibt jedoch einen zielführenden Hinweis für deren künstlerische Zuordnung. Domenico Ghirlandaio selbst wurde eine umfangreiche Tätigkeit als Madonnenmaler unterstellt, was in der kunsthistorischen Forschung mittlerweile mit begründeten Zweifeln zurückgewiesen wird. Auch mit seinen beiden jüngeren Brüdern David und Benedetto lassen sich keine derartigen Bilder mit Sicherheit in Verbindung bringen. Wohl aber begegnet eine recht umfangreiche Tätigkeit auf dem Gebiet der Madonnenbilder im weiteren Umkreis der Ghirlandaio-Schule, wie etwa in den Oeuvres von Sebastiano Mainardi, Bartolomeo di Giovanni, Filippino Lippi, Sandro Botticelli und Lorenzo di Credi. Solche und ähnliche häusliche Andachtsbilder wurden meistens nicht in einem konkreten Auftrag hergestellt, sondern auf Vorrat in den Werkstätten, weshalb auch die eindeutige künstlerische Autorschaft nur schwer zu ermitteln ist.

(Text: Johann Kronbichler)

Renaissancetondo

Präsentation
Die Vorstellung des Kunstwerks findet am 7. Mai um 16 Uhr statt. Es bleibt den ganzen Monat ausgestellt.