Kunstwerk des Monats Juni 2016

Anbetung der hl. Drei Könige
Martin Theophil Polak, um 1637/38
Öl auf Leinwand, 249 x 152 cm
Seitenaltarbild aus der Pfarrkirche St. Michael in Brixen

Das Gemälde zeigt, ganz in den Vordergrund gerückt, die anbetenden Könige in der obligaten Reihenfolge, den ältesten mit abgelegter Krone vor der Madonna mit dem Jesuskind kniend und dahinter folgend der König mittleren Alters sowie der jugendliche Mohr. Sie beide tragen noch ihre prachtvollen Kopfbedeckungen und halten die kostbaren mitgebrachten Geschenke in ihren Händen. Dahinter drängt sich das königliche Gefolge bis zu den Kamelen im Hintergrund, die aufgrund ihrer Größe die Menge noch um einiges überragen. Hinter der Heiligen Familie erhebt sich eine Palastarchitektur mit einer mächtigen Säule auf hohem Postamente, das zwei Schaulustigen dazu dient das Geschehen zu verfolgen. Ganz im Vordergrund stellt auf der linken Seite ein Diener den Koffer mit den mitgebrachten Geschenken am Boden ab, während gegenüber in der rechten Ecke die Werkzeuge Josefs liegen.

Der Maler dieses Gemäldes ist der um 1570 in Polen geborene und 1639 in Brixen gestorbene Martin Teofilowicz, der in der Folge nach seiner Herkunft den Namen Polak erhielt. Nach seiner Lehrzeit beim Porträtisten Martin Kober in Krakau ging Polak nach Prag, wo er mit Fra Cosimo Piazza und über ihn mit der venezianischen Malerei in Kontakt kam. Bereits um 1600 ist Polak im Trentino nachweisbar, wo er von Fürstbischof Karl von Madruz gefördert und mit zahlreichen Aufträgen bedacht wurde. 1629 zog er nach Innsbruck. Dort erhielt er Aufträge von Erzherzog Leopold und seiner Gemahlin Claudia de Medici. Schließlich begab sich der Künstler 1637 nach Brixen an den Hof des Fürstbischofs Wilhelm von Welsberg. In Brixen schuf Polak mehrere Gemälde für die ehemalige Kollegiatskirche Unsere Liebe Frau am Kreuzgang und für die Michaelspfarrkirche das Altarbild mit der Anbetung der Könige (um 1637/38).

Das Thema der Anbetung der Könige hatte Polak bereits 10 Jahre früher, um 1627, in der Marienkirche der Innsbrucker Hofkirche gemalt, dort allerdings seitenverkehrt und in einer etwas einfacheren Variante. In dieser früheren Fassung kommt der Einfluss von Fra Cosimo Piazza, der für die Kapuzinerkirche in Innsbruck 1606 das Hochaltarbild geschaffen hatte, noch deutlicher zur Wirkung als am Brixner Altarbild. Im Werk von Polak ist der venezianische Einfluss allenthalben festzustellen, aber in der Darstellung der Anbetung der Könige ganz besonders. Man denke dabei an Darstellungen dieses Themas der Brüder Jacopo und Francesco Bassano, von Palma il Giovane und anderen venezianischen Malern.

(Text: Johann Kronbichler)

Präsentation
Das Gemälde wird am 7. Juni 2016 um 16 Uhr vorgestellt und ist bis zum 30. Juni in der Hofkirche zu sehen. Der Eintritt zur Präsentation ist frei.