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Kunstwerk des Monats Juni 2013

Jägergruppe vom Brixner Tafelaufsatz
Wiener Porzellan, 1765

Die bunt bemalte Porzellangruppe zeigt einen Jäger mit Jagdhund, eine Dame mit Vogelkäfig und zwei in Jagdkleidung adjustierte Kinder. Es handelt sich um ein Stück des umfangreichen, noch erhaltenen Porzellanservices, das Fürstbischof Leopold von Spaur im Jahre 1765 bei der Wiener Porzellanmanufaktur anlässlich des Besuches der Kaiserin Maria Theresia angekauft hat. Abgesehen von den zahlreichen Teilen des eigentlichen Tafelservices, bestehend aus unterschiedlichen Tellern, Schalen, Terrinen, Deckelkannen und Bestecken, diente der aus Figurinen bestehende Teil, der sogenannte Tafelaufsatz, allein als Tafelschmuck. Die Figuren und Figurengruppen wurden auf einem oder mehreren Spiegeltabletts mit Porzellaneinfassung in der Mitte der Tafel aufgestellt, wobei sie unterschiedlich kombiniert und variiert werden konnten. Gegenüber den lange Zeit gebräuchlichen Dekorationen aus Zuckerwerk, Karamell, Marzipan und natürlichen Pflanzen bevorzugte Maria Theresia ausdrücklich die in raffinierter Fiktion der Realität nachgeahmte Porzellandekoration. Offenbar wusste Fürstbischof Spaur von dieser Vorliebe der Kaiserin und konnte bei ihrem Besuch in der Brixner Hofburg mit dieser bestimmt angenehmen Überraschung aufwarten. Die in Porzellan gefertigte Kleinplastik entwickelte sich in maria-theresianischer Zeit zu einer autonomen Kunstgattung und setzte sich nicht nur am Wiener Hof durch, sondern fand auch in den adeligen Haushalten reißenden Absatz. Zum ureigensten Einsatzgebiet der Porzellanfiguren wurde die Tafel, wo sie nicht nur der Dekoration, sondern auch der Unterhaltung dienten. Vielfach wurden für die Porzellanfiguren und Figurengruppen auch zeitgenössische Bildvorlagen verwendet, wie etwa galante Szenen aus Gemälden eines Johann Georg Platzer, Franz Christoph Janneck oder aus Gesellschaftsszenen des Martin von Meytens.

Ein dem Brixner Tafelservice vergleichbares Beispiel ist der seit 1926 im Österreichischen Museum für angewandte Kunst in Wien befindliche Zwettler Tafelaufsatz, den der Konvent des Stiftes ihrem Abt Rainer Kollmann im Jahre 1768 zum Goldenen Professjubiläum schenkte.

(Text: Johann Kronbichler)

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Präsentation
Das Kunstwerk wird am 4. Juni 2013 um 16 Uhr vorgestellt und ist den ganzen Monat ausgestellt. Es ist Teil des Tafelaufsatzes, der im Kaisertrakt im 2. Stock zu sehen ist.