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Kunstwerk des Monats Juli 2017

Papst Johannes Paul II.
Lesley de Vries (1926–2012), ca. 1985
Acryl auf Spanplatte, 169 x 138 cm
Aus Privatbesitz

Wie eine Momentaufnahme wirkt das Porträt von Papst Johannes Paul II. (1920–2005). Stehend, mit erhobener Hand scheint er segnend auf den Betrachter des Bildes zuzugehen. Offen und freundlich wirkt er, mit einem wachen Blick und einem gütigen Lächeln im Gesicht. Die Aufgabe des Seelsorgers, des guten Hirten, rückt der Künstler in den Vordergrund – und zeigt den Papst dementsprechend nicht in seiner Alltagskleidung – der weißen Soutane und dem Pileolus (Käppchen) – , sondern in liturgischer Gewandung: in einer weißen Kasel, mit der Mitra auf dem Kopf und der Ferula, dem Kreuzstab, in der Hand. Die Ferula auf dem Gemälde lässt sich eindeutig bestimmen: Sie wurde vom neapolitanischen Bildhauer Lello Scorzelli für Papst Paul VI. geschaffen, der sie bei der Abschlussfeier des Zweiten Vatikanischen Konzils am 8.12.1965 erstmals trug. Papst Johannes Paul II. verwendete zeit seines Lebens vor allem Scorzellis Kreuzstab mit dem nach vorn gebeugten Corpus Christi. Was der Künstler Lesley de Vries in den 1980er Jahren noch nicht ahnen konnte: Scorzellis Kreuzstab mit dem leidenden Christus sollte vor allem in den letzten, von Krankheit gezeichneten Lebensjahren von Papst Johannes Paul II. dessen Bild in der Öffentlichkeit maßgeblich prägen.

Das Gemälde geht auf einen Auftrag der Vatikanischen Kongregation im Jahr 1984 zurück. Johannes Paul II. war zu diesem Zeitpunkt erst seit wenigen Jahren – seit 1978 – im Amt. Auf seinen zahlreichen Reisen suchte der Papst immer wieder die Nähe zu den Gläubigen. Sprühend vor Lebensfreude zeigt er sich auch auf dem farbenfrohen Gemälde. Der spontane Duktus des Pinselstrichs und die kräftigen Signalfarben unterstreichen die Kraft des charismatischen Papstes.

Lesley de Vries (1926–2012) verbrachte den Großteil seines Lebens in Klausen. Er wurde 1926 in Paraguay geboren. Sein Vater mit niederländischen Wurzeln stammte aus England, seine Mutter aus Mailand. Nach dem frühen Tod der Eltern wuchs er bei einem Onkel in Dresden auf. Nach Kriegsende 1945 entschloss sich Lesley de Vries nach Costa Rica auszuwandern, blieb jedoch auf dem Weg zur Einschiffung nach Genua in Klausen „hängen“. Von dort aus unternahm er mehrere Studienreisen nach Rom, Paris und Capri. Seit den 1950er Jahren war Lesley de Vries vor allem als Fotograf tätig. Erst 1972 präsentierte er seine Malerei der Öffentlichkeit. Es folgten zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland sowie Preise und Auszeichnungen. Am 28. Jänner 2012 starb der Maler, Grafiker und Schriftsteller. Werke von Lesley de Vries befinden sich beispielsweise in der Galleria Nazionale in Rom, der Galleria Civica in Mailand oder dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck sowie in Südtiroler Museen und Privatsammlungen im In- und Ausland.

Präsentation
Das Kunstwerk des Monats wird am Dienstag, 4. Juli 2017 um 16 Uhr vorgestellt. Der Eintritt zur Präsentation ist frei. Anschließend ist es bis zum 30. Juli 2017 zu sehen.