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Kunstwerke des Monats April 2017

Grablegung, Karl Plattner (1919–1986)
aus der Galerie Alessandro Casciaro in Bozen
a) Entwurf für das Gefallenendenkmal in Mals, Kohlezeichnung, 194 x 294 cm, 1950
b) Öl auf Leinwand, 59 x 95 cm, 1950

Karl Plattner, geboren 1919 in Mals im Vinschgau, verstorben 1986 in Mailand, zählt zu den bedeutendsten Südtiroler Künstlern der Nachkriegszeit. 1950 schuf er für das Gefallenendenkmal im neuen Friedhofteil von Mals das Fresko mit der Darstellung einer Grablegung. Zu diesem bedeutenden Frühwerk des Künstlers befinden sich in der Sammlung der Bozner Familie Casciaro, die zeitlebens mit dem Künstler in freundschaftlicher Verbindung stand, die Vorzeichnung und eine reduzierte Fassung als Ölgemälde. Beide Werke wurden der Hofburg als Kunstwerke des Monats April in generöser Weise zur Verfügung gestellt, wofür hier der gebührende Dank ausgesprochen sei.

Die Zeichnung, die mit dem ausgeführten Fresko bis auf kleine Details übereinstimmt, zeigt die Grablegung eines Verstorbenen durch zwei Männer im Beisein von zwei trauernden Frauen. Mit dem Schriftzug LUCAS – im Fresko auch noch JOHANNES – in der rechten unteren Ecke sind eindeutig die beiden Evangelisten gemeint, und damit wird ganz offenkundig auf die Grablegung Christi verwiesen. Der Bezug auf die Grablegung Christi wird ja auch ganz offensichtlich durch die Art und Weise der Darstellung vermittelt. Plattner transponiert das Thema der Grablegung Christi in die Gegenwart, indem er die Grablegung eines im Krieg Gefallenen darstellt. Die den Toten ins Grab legenden Männer sind bei Plattner nicht als Joseph von Arimathäa und Nikodemus zu sehen, sondern unschwer als zwei Männer aus seinem Umfeld und auch bei den trauernden Frauen wird man nicht so sehr an die Marien am Grab Christi denken, sondern viel eher an die Frau und Mutter des Toten. Ebenso wird man die Häuser mit der Kirche im Hintergrund nicht als die Stadt Jerusalem, sondern als Anspielung auf die Ortschaft Mals deuten.

Aus den 50er Jahren sind von Plattner eine Reihe von Arbeiten mit religiösen Themen bekannt, vor allem in seiner Vinschgauer Heimat, wie zum Beispiel das Grab der Familie Plattner in Mals, die Kapelle am Friedhof in Naturns oder die Kirche in Alsack. Es handelt sich durchwegs um Themen, die sich mit dem Sterben und dem Tod befassen, wie die Beweinung Christi, die Pietà und die Grablegung. Es sind Reflexionen über das Sterben, gleichsam ein „memento mori“. Entscheidend für diese intensive Beschäftigung mit dem Thema Tod sind nicht so sehr die verschiedenen kirchlichen bzw. öffentlichen Aufträge, sondern seine eigene persönliche Befindlichkeit. Die eigenen Erlebnisse des Zweiten Weltkriegs und die Todesfälle im familiären Umfeld dürften hier eine wichtige Rolle gespielt haben.

Die beiden Darstellungen der Grablegung ergeben zusammen mit den beiden anderen Arbeiten von Karl Plattner im Diözesanmuseum, dem Beweinungs-Entwurf für die Kapelle in Alsack (1960) und der Pietà aus dem Jahre 1968/69, ein höchst eindrucksvolles Bild einer zeitgenössischen Interpretation dieser traditionsreichen christlichen Themen von Pietà sowie Beweinung und Grablegung Christi.

Präsentation
Die Kunstwerke des Monats werden am Dienstag, 4. April 2017 um 16 Uhr vorgestellt und sind daran anschließend bis zum 30. April 2017 ausgestellt. Der Eintritt zur Präsentation ist frei.