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Kunstwerk des Monats April 2016

Zwei neu restaurierte Altarbilder von Franz Sebald Unterberger (1706–1776) aus der Pfarrkirche von Brixen sind als Kunstwerke des Monats in der Hofkirche ausgestellt.

Taufe Christi
Franz Sebald Unterberger, 1740/41
Öl auf Leinwand, 466 x 202 cm

Die Taufe Christi im Jordan ist auf dem Altargemälde in einen von Kaskaden unterbrochenen Gebirgsfluss verlegt, in welchem Christus steht bzw. mit einem Bein auf einem Felsvorsprung kniet, während Johannes am Ufer stehend aus einer Muschel Wasser auf das Haupt des Täuflings gießt. Dieser beugt sich mit inbrünstig vor der Brust verschränkten Armen nach vorne, um die Taufe zu empfangen. Die Demutsgeste von Jesus steht hier, wie für den Barock typisch, im Vordergrund – im Unterschied zur Kunst der Renaissance, die den auserwählten und betenden Täufling betont.

Durch die zentrale und in den Vordergrund gestellte Gruppe von Christus und Johannes wird das Taufereignis sehr unmittelbar vor Augen geführt. Erst bei näherer Betrachtung erschließen sich die verschiedenen Nebenfiguren vom Vordergrund bis in den Hintergrund und in den himmlischen Bereich. Direkt oberhalb von Christus und Johannes schwebt der Heilige Geist, der sich nach den Berichten der vier Evangelisten in Gestalt einer Taube auf Jesus herabließ. Der in hellem Lichtschein zwischen Christus und Johannes anwesende Engel ist in andächtiger Betrachtung auf das Taufereignis ausgerichtet. Gleiches gilt von dem Engelspaar und den Engelsputten im oberen Bildteil. Die am rechten vorderen Bildrand hockende Rückenfigur weist mit ausgestrecktem Arm eine zweite, neben ihr sitzende Gestalt, und damit indirekt auch den Betrachter des Gemäldes, auf den Taufakt hin.

Durch die Lichtführung aus den Wolken des Himmels und der Taube des Heiligen Geistes wird gleichsam die aus dem Himmel kommende Stimme visualisiert, die da sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. Durch den sich auf die Taufgruppe herabsenkenden Himmel mit dem Heiligem Geist sowie der Licht- und Engelsglorie wird das ganze Taufgeschehen auf eine transzendente spirituelle Ebene gerückt und so gewissermaßen zum religiösen Andachtsbild.

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Kreuzwegpanorama
Franz Sebald Unterberger, 1740/41
Öl auf Leinwand, 465 x 203 cm; bez. li. u.: Franc. Sebaldus Unterperger P.

Das Gemälde zeigt ein szenisches Panorama für den kreuztragenden Christus und Simon von Cyrene, die als plastische Gruppe (um 1460) vor dem Gemälde stehen. Auf dem Gemälde selbst ist bloß der Zug der Soldaten, der sich aus dem dunklen, durch eine hohe Stadtmauer mit Turm verschatteten Vordergrund zum hell beleuchteten Golgotha-Hügel im Hintergrund bewegt, dargestellt. Dort sind auch die mitgeführten Schächer und die für sie auf dem Hügel bereits errichteten Kreuze wiedergegeben. Das Hauptaugenmerk ist jedoch auf die Soldaten im Vordergrund gerichtet, wo der Künstler in der Darstellung der expressiven Figurentypen, der im Licht schimmernden Rüstungen und Gewänder ein wahres malerisches Feuerwerk entfacht. Es ist eine sehr freie und lockere Malerei, wie sie nur ein Virtuose auf die Leinwand bannen konnte.

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Franz Sebald Unterberger
Franz Sebald Unterberger (1706–1776) aus Cavalese siedelte sich nach seinen umfangreichen Arbeiten für das Klarissenkloster in Brixen in der Stadt an und schuf sowohl hier als auch im gesamten Bistum und darüber hinaus zahlreiche Gemälde, vorwiegend für den kirchlichen Bereich. Die beiden um 1740/41 entstandenen Altargemälde für die Pfarrkirche St. Michael in Brixen gehören zweifellos zu den Meisterwerken dieses Künstlers und wohl auch zum Besten, was die Tiroler Barockmalerei aus dieser Zeit zu bieten hat.

(Text und Foto: Johann Kronbichler)

Präsentation
Die beiden Kunstwerke des Monats werden am 5. April um 16 Uhr vorgestellt und sind daran anschließend bis zum 1. Mai 2016 in der Hofkirche zu sehen.
Freier Eintritt zur Vorstellung der beiden Bilder.