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Kunstwerk des Monats April 2013

Pietà von Martin Rainer
Bronze, 2011/12

Diese Pietà ist eine der letzten Arbeiten des bekannten Südtiroler Bildhauers Martin Rainer, der am 7. April 1923 in Unser Frau in Schnals geboren wurde und am 13. August 2012 in Brixen gestorben ist.

Vom Künstler selbst stammte die Bezeichnung Pietà, obwohl er hier nicht die traditionelle Form der Pietà mit Maria und dem toten Sohn auf ihrem Schoß gewählt hat. Christus liegt auf einer flachen Bahre und zu seinen Füßen stehen sich Maria und Johannes gegenüber. Beide blicken auf den vor ihnen liegenden Christus, der nicht tot dargestellt ist, sondern seine offenen Hände ihnen entgegenstreckt. In gleicher Weise halten auch Maria und Johannes ihre Hände offen, wodurch eine ganz besondere Form der gegenseitigen Verbindung entsteht. Formal bilden die drei Figuren einen Raum. Sie sind in ihrer Gestik auf ein Minimum reduziert und wirken in ihrer Schlankheit geradezu entmaterialisiert, so dass die ganze Gruppe ebenso als geistiges Gebilde erscheint. Die Gesten und Blicke werden als sehr sprechend empfunden, so als würde der am Kreuze sterbende Christus zu den Umstehenden sagen: Frau, siehe da deinen Sohn und zu Johannes, siehe da deine Mutter. Die Handgesten bedeuten in gleicher Weise ein Geben wie ein Empfangen. Die Ergebenheit des Sterbenden wirkt hier nicht als resignierte Hingabe, sondern ist voller Hoffnung und Erwartung. In diesem Sinne ist die Skulptur ein geistiges Vermächtnis, ja das Credo des tief gläubigen Künstlers Martin Rainer. Die zahlreichen Grabkreuze, auf denen er vielfach den auferstandenen Christus darstellte, können diese Haltung in eindrucksvoller Weise bezeugen.

(Text: Johann Kronbichler)

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Präsentation
Die Präsentation findet im Rahmen der Eröffnung der Ausstellung „Martin Rainer und Brixen“ statt. Das Kunstwerk bleibt den ganzen Monat ausgestellt.