Der Himmel der kleinen Leute – Religiöse Volkskunst aus den Beständen des Diözesanmuseums

Religiöse Volkskunst gehört zu den ersten Sammelaufgaben des Diözesanmuseums. Mit unermüdlichem Fleiß hatte Museumsdirektor Adrian Egger (1868–1953) ab 1908 seine Sammelleidenschaft dem Bereich der Volkskunst zugewandt und im Brixner Diözesanmuseum eine der frühesten Abteilungen auf diesem Sektor eingerichtet.

Der Priester und passionierte Volkskundler Hermann Mang (1883–1947) war seit 1927 mit der Einrichtung der Abteilung betraut gewesen. Mit der Verlegung des Diözesanmuseums in die Hofburg wanderte die Volkskundliche Abteilung in das Depot. Dass sie nun, wenn auch für wenige Monate, wieder daraus hervorgeholt wird, hat mit der gesetzten Absicht zu tun, dem Museumsbesucher einen Überblick zur Vielfalt der hauseigenen Sammlung bieten zu wollen.

Religiöse Volkskunst bleibt ein wesentlicher Aspekt in der Handhabung religiöser Bedürfnisse. Sind es in der Landschaft unzählige Kapellen, Bildstöcke, Wegkreuze, Marterln, Kalvarienberge und Kirchen, die an die gelebte christliche Kultkultur erinnern, so entsprechen diesen gebauten Zeugen vielfältige Objekte privater Anwendung, die nicht zuletzt durch den gelegentlich innewohnenden Aspekt kunstvoller Produktion bestechen.

Hinterglas_Hl Familie bei Tisch
Die heilige Familie bei Tisch, Hinterglasbild, 19. Jh.

Die Anordnung der Ausstellung verfolgt den pädagogischen Zweck, den Besucher über das Instrumentarium der Gebetshilfe, des Bußinstruments und des geweihten Zeichens in die Vielfalt der bäuerlichen Bilderwelt zu führen. Über grundlegende Aspekte christlicher Ikonographie erschaut der Besucher das weite Spektrum von Votiv- und Andachtsbild. Der getätigte Aufwand am Bild ist aus der kunstvollen Anfertigung zu ersehen. In Kleinformaten wurden Retabel und Kirchenältäre für die heimelige Wohnkammer wiederholt und so die Andacht zu einer durchaus intimen Angelegenheit bestimmt, die sich durch die freie Wahl von Bild, Betrachtungstext und Anlass von der Kirchenandacht unterscheidet. Gerade die Bereiche Passionsfrömmigkeit und Marienbild bieten in ihren überkommenen Bildzeugnissen die Sehnsucht nach der Übernahme einer größtmöglichen Authentik, die gewissermaßen auch den Gnadenfluss bestimmt, der nicht zuletzt von den Bildern ausgeht.