Hofratsstube und Hofratswartestube

Im ersten Obergeschoss des Ostflügels befinden sich die zwei Räume der Hofratskanzlei: die Hofratsstube und die Hofratswartestube. Von diesen Räumen aus regierten und verwalteten der Fürstbischof und sein Beratungsgremium, der Hofrat, das geistliche Reichsfürstentum Brixen bis zur Säkularisation (1803). Der Hofrat setzte sich aus drei Mitgliedern des Domkapitels und vier bis sechs weltlichen Herren zusammen. Beide Räume sind weitgehend in ihrem ursprünglichen Aussehen mit Zirbenholztäfelung, Wappenbemalung und Kachelöfen erhalten.

Der Wappenfries in der Hofratswartestube ist ein wertvolles historisches Dokument für die verfassungsrechtliche Situation des Fürstentums Brixen, wie die Inschrift über der Tür zur Hofratsstube bezeugt: „Des Fürstl(ichen) Hohen Stiffts Brixen und dessen Erbämter, Stett, Schlösser, Herrschaften, Ämter, auch Grafen, Herren und Adeliger Lehenschaften Wappen.“ Die über der Tür angebrachte, 1607 datierte Wappenkartusche zeigt die Wappen des Bistums (Lamm mit Kreuzfahne), des Fürstentums (Adler mit Pastorale) und des Fürstbischofs Christoph Andreas von Spaur (1601–1613).

Hofratswartestube_Wappen
Wappenkartusche in der Hofratswartestube, 1607

Der Wappenfries in der Hofratsstube dokumentiert mit den 299 einzelnen Wappen die Hofratsmitglieder in der Regierungszeit der Fürstbischöfe der Neuzeit, beginnend mit Kardinal Christoph von Madruzzo (1542–1578) und endend bei Joseph von Spaur (1779–1791). Das Wandgemälde zwischen den beiden Fenstern zeigt eine allegorische Darstellung der Gerechtigkeit (Justitia) mit Schwert und Waage in ihren Händen. Darunter hängt an der Wandvertäfelung eine spätgotische Kreuzigungsgruppe. Außerdem schmücken diesen Raum Gemälde mit Ansichten der ehemals zum Bistum Brixen gehörenden Herrschaft Veldes (Bled) in Slowenien. Der große ovale Hofratstisch und die Hofratssessel, bei denen mit erhöhten Rückenlehnen und Armlehnen der Vorsitz entsprechend hervorgehoben ist, sind erhalten geblieben.