Die Krippensammlung

Die Krippensammlung in der Brixner Hofburg darf wohl zu den bedeutendsten überhaupt gerechnet werden.

Bereits Fürstbischof Karl Franz Graf Lodron (1791–1828) begründete eine große Krippentradition in Brixen. Er ließ durch August Alois Probst (1758–1807) aus Sterzing und dessen Halbbruder Josef Benedikt Probst (1773–1861) eine Jahreskrippe für seine Wohnräume anfertigen. Diese kleinteilige, aus insgesamt rund 5.000 Figuren bestehende Krippe erzählt über den Weihnachts- und Passionszyklus hinaus das gesamte Leben Jesu, angefangen von der Verkündigung an Maria bis zur Sendung des Heiligen Geistes. Eine zweite umfangreiche Krippe wurde in der Kirche der fürstbischöflichen Burg aufgestellt. Sie stammt von Franz Xaver Nissl (1731–1804) und umfasst Darstellungen der Geburt und Jugend sowie der Leidensgeschichte Jesu. Die Nissl-Figuren mit ihren ausdrucksvollen Gebärden zeigen eine hohe künstlerische Qualität, die den gesamten Krippenzyklus auszeichnet. Diese für die Hofburg geschaffenen heilsgeschichtlichen Großdarstellungen der Gebrüder Probst und von Nissl bilden den Hauptteil der Sammlung.

Anbetung der Hirten, Franz Xaver Nissl, um 1800
Anbetung der Hirten, Franz Xaver Nissl, um 1800

Später konnte der Bestand durch Ankäufe und Schenkungen wesentlich bereichert werden. Hervorzuheben sind einige barocke Krippen mit gekleideten Figuren, zwei genuesische Elfenbeinkrippen, eine barocke Wachskrippe von Johann Baptist Cetto, eine sizilianische Terrakottakrippe von Giuseppe Vaccaro sowie eine glasierte Tonkrippe von Maria Delago (1902–1979). Nicht unerwähnt bleiben dürfen eine Weihnachts- und Dreikönigskrippe von Johann Giner d. Ä. (1756–1833) aus Thaur bei Innsbruck, eine bemalte Bretterkrippe aus dem Pustertal aus der Mitte des 18. Jhs. und eine Papierkrippe von Josef Romed Kramer (1783–1855). Aus konservatorischen Gründen werden nur wenige Exemplare des umfangreichen Bestandes an Papierkrippen in der ständigen Ausstellung gezeigt.

Die letzte große Erweiterung erfuhr die Krippensammlung durch die Leihgabe der privaten Jahreskrippe von Martin Rainer. In 16 flachen Schaukästen aus Gips erzählen kleine, unglasierte Tonfiguren die gesamte Heilsgeschichte. Dieses Ensemble steht ganz in der Schnalstaler Krippentradition und entstand als Gemeinschaftswerk der Familie Rainer in den Jahren 1965 bis 1978 sowie im Jahr 2012.

Neapolitanische Krippe, Giuseppe Sammartino, 18. Jh.
Neapolitanische Krippe, Giuseppe Sammartino, 18. Jh.

→ Papierkrippen

Papierkrippen in Tirol: Einen Einblick in die Schätze der Hofburg Brixen gibt die virtuelle Ausstellung auf dem Portal der Kulturgüter in Südtirol.